SIMMO – wenn Lesen in Bewegung kommt
- Daniela Arnold
- vor 6 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
Was passiert, wenn man Lesen nicht nur als schulische Fertigkeit betrachtet, sondern auch die körperlichen Grundlagen des Lernens stärkt?
Dieser Frage ging das zweijährige Schulprojekt „SIMMO – Lesen kommt in Bewegung“ an der PVS Sacré Coeur Pressbaum nach. Von Mai 2014 bis Juni 2016 wurde mit den Kindern regelmäßig an sensorischen und motorischen Basiskompetenzen gearbeitet – mit dem Ziel, Lernen, Konzentration, Verhalten und Lesekompetenz nachhaltig zu unterstützen.
Das Besondere an diesem Projekt: Es war kein kurzes Förderprogramm für einzelne Kinder, sondern ein breit angelegtes Schulprojekt. Insgesamt wurden 274 Kinder in die Untersuchung einbezogen, erreicht wurden rund 700 Personen – Schüler, Pädagog und Eltern. Damit war SIMMO nicht nur ein Bewegungsprogramm, sondern ein gemeinsamer Entwicklungsprozess einer ganzen Schule.
Lesen braucht mehr als Üben
Viele Kinder üben Lesen – und trotzdem bleibt der gewünschte Erfolg aus. Genau hier setzt SIMMO an: Nicht immer fehlt es an Motivation oder Fleiß. Manchmal fehlen darunterliegende Voraussetzungen, die das Lernen überhaupt erst leicht und automatisiert möglich machen.
Dazu gehören Gleichgewicht, Koordination, Körperwahrnehmung, Muskeltonus, Augensteuerung und die Integration frühkindlicher Reflexe. Wenn der Körper zu viel Energie für Haltung, Orientierung oder Koordination braucht, bleibt weniger Kraft für Konzentration, Aufmerksamkeit und Lesen.
SIMMO stärkt diese Basis durch kurze, regelmäßige Bewegungseinheiten im Schulalltag.
Beeindruckende Ergebnisse in Motorik und Lesen
Die Auswertung zeigte deutliche Verbesserungen in den motorischen Bereichen. Besonders Gleichgewicht, Koordination, Hampelmannsprünge, rhythmische Bewegungsqualität und andere motorische Basiskompetenzen entwickelten sich sichtbar weiter.
Doch das Projekt blieb nicht bei der Motorik stehen.
Auch im Lesen zeigten sich positive Entwicklungen. Die Lesekompetenz wurde mit dem Salzburger Lesescreening überprüft. Dabei wurde sichtbar: In allen Klassen kam es im Projektverlauf zu einer deutlichen Verbesserung der basalen Lesefertigkeit. Besonders erfreulich war, dass die Zahl der sehr schwachen, schwachen und unterdurchschnittlichen Leser abnahm, während mehr Kinder in die durchschnittlichen, guten und sehr guten Bereiche aufrückten.
Das bestätigt eine zentrale Grundidee von SIMMO:Leseförderung beginnt nicht erst beim Buchstaben. Sie beginnt dort, wo Körper, Wahrnehmung und Aufmerksamkeit eine stabile Grundlage für Lernen bilden.
Zwei Jahre, viele Kinder, viele Daten
Ein solches Projekt braucht Zeit. Die Kinder trainierten über vier Semester hinweg regelmäßig im Klassenverband, im Turnsaal und teilweise auch zuhause. Gerade diese zweijährige Laufzeit macht das Projekt wertvoll: Entwicklung geschieht nicht über Nacht. Viele Veränderungen entstehen langsam, schleichend und werden im Alltag oft erst rückblickend sichtbar.
Die statistische Auswertung wurde von der deutschen Statistikerin Dr. Sigrid Graumann-Brunt durchgeführt. Dadurch erhielt das Projekt eine fundierte externe Datenauswertung und eine klare Sicht auf die Veränderungen im Verlauf.
Wichtig ist dabei auch die fachliche Einordnung: Da alle Kinder der Schule profitieren sollten, wurde bewusst keine Kontrollgruppe gebildet. Die Ergebnisse zeigen daher die Entwicklung im Projektverlauf – sie sind ein starkes Praxis-Signal, aber kein klassisches kontrolliertes Studiendesign.
Was wir aus SIMMO lernen können
Das Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie eng Bewegung, Körperorganisation, Konzentration und Lesen miteinander verbunden sind. Wenn Kinder ihre motorischen Basiskompetenzen verbessern, kann Schule leichter werden: Sitzen, Schreiben, Fokussieren, Balancieren, Koordinieren – all das bildet ein Fundament, auf dem Lernen aufbauen kann.
SIMMO macht sichtbar, was im Schulalltag oft übersehen wird:
Ein Kind, das beim Lesen nicht weiterkommt, braucht nicht immer nur mehr Lesetraining.Manchmal braucht es zuerst mehr Sicherheit im eigenen Körper.
Ein Kind, das unruhig ist, braucht nicht immer strengere Regeln.Manchmal braucht es bessere Regulation.
Ein Kind, das sich schwer konzentrieren kann, braucht nicht immer mehr Anstrengung.Manchmal braucht es stabilere Grundlagen.
Fazit
„SIMMO – Lesen kommt in Bewegung“ war ein großes, mutiges und zukunftsweisendes Schulprojekt. Zwei Jahre Laufzeit, 274 untersuchte Kinder, rund 700 erreichte Personen und eine externe statistische Auswertung zeigen: Wenn Schule den Körper als Grundlage des Lernens ernst nimmt, können neue Wege entstehen.
Die Ergebnisse würdigen nicht nur die Verbesserung motorischer Fähigkeiten, sondern auch die Entwicklung der Lesekompetenz.
Oder kurz gesagt:
Wenn Kinder in Bewegung kommen, kann auch das Lesen in Bewegung kommen.

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